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Fallstudien (Abstracts) Publikation Band 3 (FS20)

Waldbrandkatastrophe in Kalifornien

Dominique Tschirky und Manuel Hartmann

Diese Studie durchleuchtet die Berichterstattungen ausgewählter europäischer- und amerikanischer Medien während und nach den verheerenden Bränden in Kalifornien 2018. Welches waren die Krisenauslöser, die im Vordergrund standen und welche Ursachen sowie Institutionen wurden mehr oder weniger stark beleuchtet? Gab es Unterschiede bei den jeweiligen Medien hinsichtlich der Schuldfrage und wie wurden einzelne Ursachen und Institutionen dargestellt?

Sowohl die europäischen wie auch die amerikanischen Medien thematisierten die Klimapolitik, die Forstwirtschaft sowie die Siedlungsplanung am stärksten. Es manifestierten sich Abweichungen in den Sichtweisen der gemeinsamen Themenschwerpunkte. So wurden die jeweiligen Fälle unterschiedlich wahrgenommen und in mancher Hinsicht anders beurteilt.

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Fallstudien (Abstracts) Publikation Band 3 (FS20)

Schutzmasken und Covid-19

Michaela Burtscher und Carla Theler

Dieser Beitrag untersucht die Krisenbewältigung im Rahmen der Corona-Epidemie in der Schweiz, deren Auswirkungen auf das Gesundheitssystem, sowie die Berichterstattung unterschiedlicher Medien im Zeitraum von Mitte März bis Mitte Mai 2020. Dabei wird der Fokus auf die Problematik der Schutzmaskenbeschaffung gelegt.

Zu diesem Zweck wurden Informationen des Bundesamts für Gesundheit (BAG), von Experten und von diversen Medienberichten analysiert. Wie funktioniert das Krisenmanagement in der Schweiz, nachdem das Virus von Asien aus weltweit eine Pandemie ausgelöst hat? Wie reagierte die Schweizer Regierung auf die Katastrophe? Wie lief die Kommunikation zwischen den verantwortlichen Institutionen ab, und was hätte man retrospektiv besser machen können?

In einem Interview mit einer Hausärztin aus Zürich werden ausserdem Herausforderungen und Veränderungen im ambulanten Bereich des Gesundheitswesens genauer betrachtet.

Durch das plötzliche Auftauchen des neuartigen Virus hat sich in der Bevölkerung Verunsicherung und teilweise Angst breitgemacht. Der Umgang im öffentlichen Leben hat sich dadurch verändert. Die Folgen des Virus werden noch lange zu spüren sein. Was dies tatsächlich für Konsequenzen mit sich bringt, bleibt offen. Ein Umdenken in der Bevölkerung und Regierung findet statt.

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Fallstudien (Abstracts) Publikation Band 3 (FS20)

Ammoniak-Unfall bei Bell

Sandra Flück und Ahrabhi Vitnumurthy

Die Bell Food Group AG hatte im Jahr 2019 Vorfälle mit Chemikalien wie Ammoniak oder Desinfektionsmittel zu beklagen. Glücklicherweise erlitten die involvierten Personen bei keinem der Vorfälle gesundheitliche Schäden und auch die Umwelt kam nicht zu Schaden. Insgesamt kam es zu zwei Ammoniak-Unfällen und einem Fehlalarm mit einem Desinfektionsmittel. Der Fehlalarm wurde von bestimmten Medien als dritter Ammoniak-Unfall dargestellt. Wie die Bell Food Group AG argumentierte, sei dies wohl aufgrund ungenügender Interpretation von polizeilichen Medienmitteilung entstanden. Gewisse Meldungen hätten den Polizeibericht falsch interpretiert.

In diesem Kapitel wird dargelegt, inwiefern welche Medien in ihren Artikeln reagiert haben. Diese werden untereinander und mit der Stellungnahme von Bell Schweiz AG sowie mit den Berichten der Polizei Schweiz verglichen. Es soll untersucht werden, ob ein Skandal bezüglich der Medienreaktion zu verzeichnen ist oder nicht.

Die Studie hat ergeben, dass die Schweizer Medien faktisch über diesen Vorfall berichtet haben. Mit der Ausnahme eines «reisserischen» Titels sind keine skandalisierenden Übertreibungen und Wertungen erkennbar.

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Fallstudien (Abstracts) Publikation Band 3 (FS20)

Tödlicher SBB-Unfall in Baden

Jan Gehrhardt und Jonathan Rudow

Die vorliegende Dokumentation befasst sich mit der Fallanalyse des tödlichen Zugunfalls vom 4. August 2019 in Baden. Im Zentrum stehen dabei die folgenden Leitfragen: Wie wirken Medien auf emotionale Komponenten wie z.B. Angst bei ihrer Leserschaft? Wird diese dabei manipuliert? Welchen Einfluss haben dabei die Faktoren «Nähe» und «Betroffenheit»?

Die Arbeit beginnt mit einer Übersicht über den Hergang des Unfalls. Als Quellen dienen Medienberichte. Wann und warum ereignete sich dieser Vorfall? Welche Parteien sind darin involviert und wie äusserten sich diese zum Geschehen? Aufgrund dieser Grundlagen erfolgt die Analyse des eigentlichen Krisenprozesses. Diese zeigt auf, wo die Probleme tatsächlich liegen und hinterfragt, wo sie entstanden sind. Im Folgeschritt wird untersucht, wie die Medien diesen Vorfall darstellen und warum Angstgefühle zielgerichtet eingesetzt werden. Dabei steht die Frage im Vordergrund, welche inhaltlichen Kriterien eines Artikels die Leserschaft besonders beeinflussen und ob diesbezüglich Unterschiede zwischen den Medien bestehen.

Der Umstand, dass der tödliche Zugunfall in der Schweiz passierte, löst bei der Schweizer Bevölkerung Betroffenheit aus. Die Berührtheit und das damit verbundene Mitgefühl verursachen Verunsicherung und Angst. Diese Angstzustände nutzen Medien, um das Interesse von Leserinnen und Lesern auf ihre Beiträge zu lenken. Unterschiede zwischen den Medien sind besonders bei der dramatischen Schreibweise und Schilderung zu erkennen. Bei allen untersuchten Artikeln wird versucht, die Emotionen des Lesers zu beeinflussen. Kein beurteiltes Medium kommt ohne den Gebrauch von Dramatisierungen aus oder lässt dem Leser einen grossen Interpretationsspielraum.

Es ist stets zu hinterfragen, ob ein Artikel lediglich Tatsachen darstellt oder ob der Herausgeber möglichst viele Leserinnen und Leser mit emotional überrissenen Texten umgarnen möchte.

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Fallstudien (Abstracts) Publikation Band 3 (FS20)

Bündner Baukartellskandal

Flavio Anselm und Yves Meier

Spätestens seit der Publikation des vierteiligen Bandes «das Kartell» im April 2018 durch die Zeitung Republik ist der jüngste und grösste Baukartell − Skandal der Schweiz bekannt geworden. Die Preisabsprachen des Baugewerbes im Unterengadin führten zu horrenden Baukosten, Kostenkontrollen und schlussendlich zu einem Versagen des Staates. Das Enthüllen dieser Preisabsprachen ist dem Whistleblower und ehemaligen Bauunternehmer Adam Quadroni zu verdanken. Früher selbst mit seiner Firma in Absprachen verwickelt, änderte er sein Verhalten und machte die wichtigsten Beweise für einen der umfangreichsten Skandale in Graubünden publik.

Mit der Wettbewerbskommission (Weko) und der parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) wurden zwei Kommissionen eingesetzt, um die Machenschaften und Beteiligungen zu untersuchen und aufzudecken. Die illegalen Absprachen sind der bisher krasseste Fall von aufgedeckten Manipulationen im Schweizer Bauwesen. Die Untersuchungen der Preisabsprachen erfolgten in den Jahren 2004 bis 2010. Diverse Baufirmen wurden von der WEKO bereits gebüsst. Die Untersuchungen von PUK und WEKO sind bis heute (Stand: Juni 2020) noch nicht vollständig abgeschlossen.

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Fallstudien (Abstracts) Publikation Band 3 (FS20)

Seenot vor Norwegens Küste

Jan Kipfer und Josija Binggeli

Am 23. März 2019 erlitt das Kreuzfahrtschiff «Viking Sky» vor der Küste Norwegens eine Havarie der Motoren. Durch das stürmische Wetter und die Manövrierunfähigkeit drohte das Schiff auf Grund zu laufen. In diesem Kapitel erfolgt eine Erläuterung des Unfallhergangs und eine Analyse der Medienreaktionen.

Wie haben die Medien auf dieses Unglück reagiert und gibt es Parallelen zur Havarie der Costa Concordia im Jahr 2012? Das sind Fragen, die hier beantwortet werden sollen. nach Antworten suchen. Weiter ist es interessant abzuklären, ob die Berichterstattung bei solchen Unglücken einen Einfluss auf die Nachfrage nach Kreuzfahrten hat. Daraus werden folgende Hypothesen abgeleitet: Die Medien sind bei solchen Unfällen auf Sensationen aus und vernachlässigen die sachliche Berichterstattung. Die mediale Reportage hat keinen Einfluss auf den Kreuzfahrten-Markt

Um diese Hypothesen zu beantworten, erfolgt eine Analyse des Unfallhergangs. Danach wird die Berichterstattungen im Detail analysiert und miteinander verglichen, um so Rückschlüsse auf deren Sachlichkeit zu ziehen. Weiter wird auf die Folgen der medialen Berichterstattung eingegangen und das Verhalten der Reederei Viking Cruises beurteilt. Die Untersuchung schliesst mit einem medialen Vergleich zwischen der Havarie der Costa Concordia und der Seenot Unglück der Viking Sky.

Die Untersuchung zeigt auf, dass die Berichterstattung in den diversen Medien ganz unterschiedlich ausfällt. Boulevard-Blätter lassen sich zu gewagten Theorien und Aussagen hinreissen; etablierte Medienhäuser sind da vorsichtiger und halten sich an die Fakten. So ergibt sich eine bunte Mischung aus Informationen, welche dem Leser zur Verfügung stehen. Die Stellungnahmen in den Medien zeigen auf, dass die Schuldfrage geklärt werden kann.

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Fallstudien (Abstracts) Publikation Band 3 (FS20)

Der Absturz der Concorde − Flug 4590

Dario Bolzern und Joel von Aarburg

Dieses Kapitel befasst sich mit der Analyse der medialen Berichterstattung, sowie den Folgen für die Branche, die Wirtschaft und die Politik anhand des Flugzeugabsturzes der Aérospatiale BAC-Concorde im Jahre 2000, bei welchem 114 Personen ums Leben gekommen sind. Der Fokus der Analyse lag auf dem Verhalten der Airline, den Emotionen der Stakeholder und der breiten Öffentlichkeit.

Eine einschlägige Recherche von Medienberichten, Fachbeiträge und öffentliche Unfallprotokolle sind die Grundlage für die vorliegende Fallstudie. Der BEA Accident Report «f-sc000725 und f-sc000725a», sowie das Fachbuch «Krisenmanagement im Tourismus von Axel Dreyer – sind von entscheidender Bedeutung.

Die Concorde, welche bei Air France und British Airways im Flottendienst stand, ist das erste Linien-Überschallflugzeug, das als ein mit Milliarden subventioniertes Prestigeprojekt der französischen Regierung Geschichte schrieb. Dies und die Tatsache, dass Amateuraufnahmen des Unfalls kurz nach dem Absturz veröffentlicht wurden, verursachte ein grosses mediales Interesse. Beim Umfall wurde durch eine heruntergefallene Metallstange eines zuvor startenden Flugzeugs ein Reifen der Concorde zum Platzen gebracht, welcher anschliessend den Treibstofftank des Flugzeugs durchdrang. Das durch das Leck austretende Kerosin fing Feuer, so, dass die Triebwerke ausfielen, und es zu einem Schubrückgang kam. Gemäss offiziellem Bericht stürzte deshalb die Concorde auf ein Hotel nieder. Recherchen der Medien haben ergeben, dass dieses Überschallflugzeug schon vor diesem Unfall äusserst fehleranfällig war. Der Luftfahrtexperte Tim van Beveren und Rechtsexperte Roland Schmid übten öffentlich Kritik am Concorde-Projekt. Die Rückhaltestrategie der Airline, das Ignorieren der Schuldfrage und der fragwürdige Umgang mit den Hinterbliebenen führte zum Vertrauensverlust. Trotz einer Überarbeitung der Maschinenkonstruktion musste 2003 der Flugbetrieb mit der Concorde eingestellt werden. Deshalb sollten Risikoindikatoren nicht zugunsten wirtschaftlichem oder politischem Druck zurückgehalten werden.

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Fallstudien (Abstracts) Publikation Band 3 (FS20)

Eternit-Krise (Asbest-Skandal)

Rico Braun und Melisa Demirayak

Zwischen 1904 und 1990 wurde Asbest in vielen verschiedenen Produkten verwendet, besonders im Hochbaubereich. Die mineralische Wunderfaser, die feuer-, hitze- und säurebeständig ist, war weit mehr als nur eine Bausubstanz. Asbest war ein Label, bis das Material 1989 in der Schweiz und Europa verboten wurde. An den Folgen des Kontakts mit Asbest sterben heute noch jährlich über hundert Menschen.

Die Industriellenfamilie Schmidheiny war europaweit marktführend im Verkauf von Eternit mit Asbestfasern. Besonders in Italien lief das Geschäft hervorragend so z. B in der Eternitfirma S.p.A.. Bei den damals noch vehement demonstrierenden Arbeitern handelt es sich um dieselben, welche gegen eine Schliessung des Werks waren. Sie demonstrierten vor den Gerichtsgebäuden während der Prozesse gegen Schmidheiny.

Stephan Schmidheiny, der unter anderem dank seiner Industrieaktivitäten zu den 300 reichsten Unternehmern gehört, leidet erheblich unter den immensen negativen Folgen der Asbest-Thematik. Es gibt unzählige Presseberichte über die einschlägigen Prozesse und seine Person. Vor allem italienische Medien, wie die «La Stampa» und die italienische Justiz gehen mit seiner Geschäftstätigkeit hart ins Gericht. So sind Beschimpfungen wie tausendfacher Mörder noch harmlos. im Vergleich zur Aussage eines Staatsanwaltes in Turin. Schmidheiny wurde mit dem Diktator Adolf Hitler verglichen, das erübrigt jeglichen Kommentar.

Schmidheiny gehen diese Prozesse persönlich nahe, wie sein Umfeld verlauten lässt. Ihm ist es bewusst, dass die Arbeiter krank wurden. Die Krankenversicherung deckt die Kosten für die zahlreichen Betroffenen nicht. Der Unternehmer übernahm daher die Arztkosten im Umfang von über fünfzig Millionen CHF.

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Fallstudien (Abstracts) Publikation Band 3 (FS20)

CS-Affäre Iqbal Khan

Daniel Glur und Adrian Christen

Dieser Beitrag befasst sich mit der Beschattungsaffäre um Iqbal Khan, einem ehemaligen Topbanker der Schweizer Bank «Credit Suisse» (CS). Es stellt die chronologische Abfolge der Geschehnisse dar, welche von einem Personalkonflikt in der Führungsetage der CS über den Suizid eines Mittelsmannes bis zum Rücktritt des CEO Tidjane Thiam reichten. In der Analyse der Affäre wird die Wechselwirkung zwischen der Kommunikation der CS und den Medienreaktionen aufgezeigt.

Als die Beschattung von Iqbal Khan publik wurde, geriet die CS in negative Schlagzeilen. Das gute Image der Bank wurde über die Landesgrenzen hinaus beschädigt. Um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, leitete die CS eine externe Untersuchung ein und verhielt sich gegenüber der Öffentlichkeit zugeknöpft. Der Name des Mittelsmannes, der den Auftrag für die Beschattung von Iqbal Khan an die private Detektei Investigo weiterleitete, wurde jedoch von der CS bekanntgegeben. Daraufhin nahm sich dieser das Leben. Dem Bericht der externen Untersuchung ist zu entnehmen, dass Iqbal Khan unverschuldet beschattet wurde, und der COO Pierre-Olivier Bouée diese ohne Genehmigung des CEO und dessen Kenntnis in Auftrag gegeben hatte. Für die Credit Suisse schien nun der Schuldige gefunden und die Krise gemanagt zu sein. In den Medien wurde die Sachlage aber kritisch betrachtet.

So hatte die Neue Zürcher Zeitung herausgefunden, dass die Beschattung von Iqbal Khan kein Einzelfall war. Der Vertrauensverlust, den die CS nach diesem erneuten Mediendebakel einbüsste, war enorm. So musste der CEO der Bank, Tidjane Thiam, zurücktreten.

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Fallstudien (Abstracts) Publikation Band 3 (FS20)

Franken-Schock 2015

Roger Matter und Janick Blumenstein

In diesem Beitrag wird die Krisenkommunikation des Bundesrates nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses vom 15. Januar 2015 analysiert.

Losgelöst von den Ereignissen steht primär die Kommunikation im Vordergrund. Grundlage für diese Analyse sind vorwiegend die offiziellen Communiqués des Bundesrats aus dem Jahr 2015, welche das genannte Thema behandeln. Die Medienmitteilungen werden jeweils zusammengefasst und dann anhand definierter Methoden beurteilt. Diese Einschätzungen werden anschliessend in ein Diagramm übertragen. So können Stimmungsveränderungen in der Kommunikation während der Zeit festgestellt werden.

 Aufgrund dieser Bewertung wird klar, dass der Bundesrat im Communiqué vom 21. Januar 2015 – also sechs Tage nach Aufhebung des Mindestkurses – am ehesten panisch reagierte. Im Verlaufe dieser sechs Tage hat vermutlich der Druck auf den Bundesrat von verschiedenen Seiten wie Medien, Unternehmen und Gewerkschaften zugenommen. Gleichzeitig hatte der Bundesrat nicht ausreichend Zeit, um das Ausmass und den weiteren Verlauf der Krise richtig einschätzen zu können.