Bildungskluft durch Coronavirus

Als Folge der erzwungenen Schulschliessung durch die Coronavirus-Pandemie geht die Schere zwischen privilegierten und benachteiligten Kinder weiter auf.

Besonders für Kinder aus schwierigen Verhältnissen ist der Unterricht zu Hause ein Problem. Häufig sind dies Kinder mit Migrationshintergrund und aus bildungsfernen Familien, die bereits vor der Corona-Krise zu den schwächeren Schülern gehörten und nun drohen ganz abzuhängen.

Benachteiligung soziale Ungleichheit 

Familien, in denen Kinder von den Eltern begleitet werden, werden den Schulstopp wohl recht unbeschadet überstehen. Vor einer schwierigen Zeit stehen aber alle Schülerinnen und Schüler, die auch bisher von ihren Eltern wenig Unterstützung erhielten. Besonders für Kinder aus schwierigen Verhältnissen ist der Unterricht zu Hause ein Problem. Erste Erhebungen ergaben, dass fast 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler gefährdet sind. Betroffen sind vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien, deren Eltern bei den Aufgaben kaum helfen können oder sich aufgrund des Platzmangels in der Wohnung nur schwierig konzentrieren können. Ein weiteres Problem ist die fehlende Infrastruktur. (Beobachter,2020)

Nicht alle Eltern hätten in der Wohnung genug Platz, um für ihre Kinder das ideale Lernumfeld zu schaffen und die Möglichkeit allen Kindern einen PC für das Distance Learning zur Verfügung zu stellen. Häufig würden gerade bei sozial Schwächeren auch die Zeit und die Energie fehlen, um die Kinder optimal zu betreuen. «Wenn etwa die Mutter im Detailhandel arbeitet und der Vater auf dem Bau beschäftigt ist, dann bleibt keine Zeit, um mit Kindern Aufgaben zu erledigen», stellt Philippe Wampfler, Spezialist für digitalen Unterricht fest.(NZZ,2020)

Soziale Funktion des Kassenzimmers 

Nur wenn die Lehrpersonen überdurchschnittliches leisten, lassen sich Langzeitschäden verhindern. Auch die kreativsten Ansätze für Home-Schooling können den Unterricht im Klassenzimmer nicht ersetzen. «Die Schule mit ihrem Präsenzunterricht hat eine starke soziale Funktion», gibt Wampfler zu bedenken. Die physische Anwesenheit der Schüler und Lehrpersonen ist für viele Interaktionen sinnvoll. «Sie wirkt als Korrektiv zum Elternhaus und trägt dazu bei, Kinder aus bildungsfernen Familien wie Migranten zu integrieren.» Diese Funktion falle nun weg, und das werde sich längerfristig negativ für ohnehin schon schwächere Schüler auswirken, ist der Pädagoge überzeugt.(NZZ, 2020) «Besonders für die Kleineren ist es wichtig, dass sie den/die LehrerIn nicht nur hören, sondern auch sehen. Sie muss Präsenz zeigen, damit die Beziehung bestehen bleibt.»(Beobachter, 2020)

Trotz der anfänglichen Euphorie in Sachen digitales Lernen machten sich bereits ab der zweiten Woche zwischenmenschliche Konflikte, wegen des fehlenden Klassenzimmers bemerkbar. «Eltern und Kinder würden auf engem Raum leben, und die sozialen Kontakte könnten in Zeiten des Coronavirus nicht im üblichen Mass gepflegt werden. Wenn dann auch noch Existenzängste dazukommen, dann führt dies zu erheblichen Spannungen», betont Beat Döbeli. Es sei daher zentral, dass die Lehrpersonen so gut, wie dies möglich sei, in Kontakt mit den Kindern blieben und reagieren könnten, wenn es Alarmsignale gebe.(NZZ, 2020) Damit der Bildungskluft die Stirne geboten werden kann, sind die Lehrpersonen mehr denn je gefordert Problemfälle frühzeitig zu erkennen und schnell zu reagieren.

Bild Schule

In einer Zeit, in der immer mehr soziale Interaktionen über Bildschirme stattfinden, bekommt der persönliche Austausch einen neuen Stellenwert. Deshalb müssen die Technologien auch in Zukunft gezielt dort eingesetzt werden, wo ein Mehrwert entsteht. Nur Unterricht aus der Ferne zu organisieren, genügt nicht. Es braucht trotz allen Abstandsvorschriften eine gewisse Nähe zwischen den Lehrpersonen und Ihren Schülern und den  persönlichen Kontakt.(Beobachter,2020)

Chance, die Digitalisierung voranzubringen? 

Innert kürzester Zeit entstanden Kommunikationswege zwischen Schülern, Lehrern und Eltern, die vorher nicht oder nur ansatzweise vorhanden waren. Einige Pädagogen erkannten, dass multimediale Unterrichtsformen nicht nur eine Spielerei sind, sondern die Motivation und den Lernerfolg ihrer Schülerinnen steigern können. Und fast alle Schulen setzen neuerdings Plattformen zum Austausch von Materialien ein, die auch nach der Corona-Krise nützlich sein werden.(NZZ,2020)

Quellen (Kasten) 

Beobachter.ch/24.04.2020/Nr. 9

Neue Zürcher Zeitung. Coronavirus: Solidarität ist auch an den Schulen gefordert. https://www.nzz.ch/meinung/solidaritaet-ist-auch-an-den-schulen-gefordert-ld.1546907

Neue Zürcher Zeitung. Coronavirus: Solidarität ist auch an den Schulen gefordert. https://www.nzz.ch/schweiz/lernen-trotz-corona-je-laenger-der-schulstopp-dauert-um-so-schwieriger-wird-es-ld.1546990

Neue Zürcher Zeitung. Coronavirus: Chaos an Schulen Angebot an Betreuung mangelhaft. https://www.nzz.ch/schweiz/coronavirus-fuehrt-zu-chaos-an-schulen-eltern-werden-teilweise-im-stich-gelassen-ld.1546671

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