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WhatsApp ist tot – beliebtester Messenger wird zur Datenkrake

WhatsApp ändert am 15. Mai 2021 die Allgemeinen Geschäftsbestimmungen (AGB) und verärgert damit viele Nutzer, die den Messenger nun nicht mehr benutzen wollen. InfoCom erklärt, was die Änderungen bedeuten und wieso Signal und Threema die besten Alternativen zu WhatsApp sind.

von Jonas Weber

Bis anhin hatten Nutzer von WhatsApp die Wahl, ob sie die Weitergabe ihrer Daten an Facebook erlauben oder nicht. Bald ist dies nicht mehr möglich. WhatsApp wird am 15. Mai die AGB so anpassen, dass die Daten aller Nutzer mit dem Mutterkonzern Facebook geteilt werden.

Laut der Privacy Policy von WhatsApp betrifft dies Nutzerdaten wie Telefonnummer, Name, Kontakte, Standort, Status, Zahlungsmittel, Gerätemodell, Betriebssystem, Mobilfunkanbieter wie auch Zeit, Häufigkeit und Dauer der Nutzung.

WhatsApp wird, nach eigenen Aussagen, diese Nutzerdaten innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums vorerst noch nicht für das Erstellen von Verhaltensprofilen für Werbezwecke verwenden.

Der Backlash

Die Änderung der APG war bereits früher geplant. Aufgrund massiver Proteste der Nutzer hat WhatsApp am 15. Januar eine Verschiebung des Updates auf den 8. Februar bekannt gegeben. Die Frist wurde unterdessen auf den 15. Mai verlängert.

Die kommende Umstellung führte zu vielen Negativschlagzeilen in den Medien. Auch etliche Prominente kritisierten diese, darunter Elon Musk und Brian Acton, Mitgründer von WhatsApp.
Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat im Zusammenhang mit den neuen AGB ein Verfahren gegen den Mutterkonzern Facebook eingeleitet. Die zuständige Behörde teilte am 20. April mit, dass ein Dringlichkeitsverfahren aufgrund der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) eingeleitet werde, um noch vor dem 15. Mai zu einer Entscheidung zu kommen.

Die Alternativen

Viele Nutzer von WhatsApp wollen nun auf einen anderen Messenger umsteigen. Bei der Wahl spielen aber nicht nur Sicherheit und Datenschutz eine Rolle. Auch der sicherste Messenger bringt nicht viel, wenn die eigenen Kontakte ihn nicht nutzen und somit nicht darüber erreichbar sind.

«Telegram hat nun mehr als 500 Millionen aktive Nutzer. In den letzten 72 Stunden sind mehr als 25 Millionen neue Nutzer Telegram beigetreten» schrieb Pavel Durov, Gründer von Telegram, in einem Tweet am 12. Januar. Auch in der Schweiz hat Telegram stark an Popularität gewonnen. Wie sieht es aber mit dem Datenschutz aus?

Jürgen Schmidt, leitender Redakteur von heise Security, warnte am 20. November 2020 in einem Beitrag: «Alles, was die Nutzer schreiben, wird bei Telegram zentral gespeichert und bei Bedarf ausgeliefert. An euch, wenn ihr euch mit dem richtigen Code ausweist. Aber sicher auch an einen Beamten, der einen Durchsuchungsbefehl vorweisen kann.» Er ergänzt (oder: fügt bei:): «[…] wenn Telegram eines Tages entscheidet, dass man diese Daten nutzen will, um euch ’spannende Angebote› – also gezielte Werbung – zu unterbreiten, gibt es zumindest aus technischer Sicht nichts, was sie daran hindern könnte.»

Trotz der Beliebtheit ist Telegram also keine gute Alternative zu WhatsApp.

Mark Williams, Experte für Cybersicherheit, hat die gängigsten Messenger hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz eingehend ausgewertet. Ohne grössere Vorbehalte empfiehlt er nur Signal, Threema und Wire.

Wire ist für Unternehmen gedacht, was sich auch in monatlichen Kosten von 5 bis 8 Euro pro Nutzer und Monat zeigt. Wire ist für Privatnutzer also keine geeignete Alternative zu WhatsApp.

Signal & Threema

Als echte Alternative zu WhatsApp verbleiben zwei Messenger. Da Signal kostenlos und zunehmend verbreitet ist, fällt eine Empfehlung leicht. Wer sich nicht an den einmaligen Kosten von CHF 3.- stört, kann zusätzlich Threema verwenden.

Tabelle: Signal und Threema im Vergleich

 Signal  Threema
Kosten Gratis CHF 3.-
Plattform Android, iOS, Windows Android, iOS, Web
Nutzer Über 40 Millionen Über 9 Millionen
Unternehmen Signal Foundation Threema GmbH
Sitz Kalifornien, USA Pfäffikon, Schweiz
Finanzierung Stiftungen, Spenden Afinum AG, Gebühren
Nachteil Telefonnummer nötig Nicht komplett open-source